Ein Kind schreit seine Mutter an. Aggressives Verhalten bei Kindern ist keine Seltenheit.

Aggressionen und aggressives Verhalten bei Kindern – Eine Definition

Unter Aggression oder aggressivem Verhalten versteht man Individuen oder Sachen aktiv und zielgerichtet Schaden zuzufügen oder Individuen oder Sachen zu schwächen und sie in Angst zu versetzen.

Einen allgemeinen Aggressionsbegriff gibt es in der Psychologie nicht. Die meisten Definitionen erwähnen jedoch die beabsichtigte Beschädigung um ein Versehen auszuschließen. Bei Babys und Kindern fehlt oft die bewusste Absicht etwas zu schädigen. Aus elementaren Verhaltensweisen die Kinder oft zeigen, wie zum Beispiel sich Steif machen oder schreien, werden Aggressionen, wenn sie in Konfliktsituationen eingesetzt werden und vor allem, wenn dem Kind durch intellektuelle oder motorische Fähigkeiten ein anderes Verhalten möglich oder erlernbar wäre.

Welche Ursachen aggressives Verhalten bei Kindern haben kann wie du dein Kind unterstützen kannst, erfährst du hier.

Erscheinungsformen von Aggressionen bei Kindern

Aggressives Verhalten durch unmittelbare Körpereinwirkung

Unmittelbare Aggressionen sind unter anderem alle Formen von körperlicher Gewalt, wie zum Beispiel schlagen, treten, kneifen.

Beispiel: Das Kind tritt und schlägt andere Kinder oder seine Eltern

Aggressives Verhalten durch mittelbare seelische Kränkung

Mittelbares aggressives Verhalten bei Kindern sind verbale Äußerungen, wie zum Beispiel schimpfen, spotten oder jemanden lächerlich machen. Auch mimisch- und gestische Ausdrucksweisen können zu einem aggressiven Verhalten bei Kindern zählen.

Angriffs- und Verteidigungsaggressionen

Je nach Situation und Rolle im Konflikt kann eine Aggression offensiv als Angriff oder defensiv als Verteidigung dienen.

Beispiel für einen Angriff: Tom greift Elias in der Bauecke an, da Tom mit der Eisenbahn spielen möchte, mit der Elias gerade beschäftigt ist.

Beispiel für eine Verteidigung: Elias verteidigt seine Eisenbahn und schubst Tom zur Seite.

Offenes und verstecktes aggressives Verhalten bei Kindern

Bei offenen Aggressionen ist das Verhalten direkt sichtbar und spürbar. Versteckte Aggressionen werden, wie der Name schon sagt, versteckter und subtiler ausgeführt und sind nicht gleich zu erkennen. Oft sind versteckte Aggressionen eng mit Manipulationen verbunden um andere bewusst zu schädigen.

Autoaggression

Autoaggression richten sich gegen die eigene Person. Sie äußert sich oft in depressiven Verhaltensmustern, Verzweiflung oder Schuldgefühlen. Ritzen, sich selbst kratzen und beißen oder das Herausreißen von Haarbüscheln lässt sich autoaggressiven Verhaltensweisen zuordnen.

Beispiel: Das Kind schlägt aus Wut seinen Kopf gegen die Wand.

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Ursachen für aggressives Verhalten bei Kindern

Die Triebtheorie

Die Triebtheorie beschreibt einen angeborenen Aggressionstrieb, bei dem das Verhalten biologisch verankert ist. Im Organismus wurden Impulse erzeugt, die das Kind ein aggressives Verhalten zeigen lassen. Die Aggressionen stauen sich, bis eine Schwelle überschritten ist und das Kind sein Verhalten nicht mehr kontrollieren kann. Je länger sich aggressive Gefühle anstauen, desto kleiner kann der Anlass für einen Ausbruch sein. Sprichwörtlich kann ein Tropfen das Fass zum überlaufen bringen.

Möglicherweise setzt das Kind sein aggressives Verhalten nicht schädigend gegen sich selbst oder gegen andere ein, sondern lenkt den Trieb auf andere, erwünschte Gebiete, zum Beispiel einen sportlichen Wettbewerb.

Die Lerntheorie

Viele Lerntheoretiker sind der Meinung, dass ein Kind nicht von Geburt an aggressiv ist oder ein aggressives Verhalten zeigt, sondern diese Verhaltensweisen im Laufe seiner Entwicklung lernt. Beim Lernen am Modell schaut sich das Kind Verhaltensmuster von engen Bezugspersonen ab und nutzt diese selbst. Beim Lernen durch Verstärkung werden aggressive Verhaltensweisen erfolgversprechend ausgeübt, in der Hoffnung ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Frustrationstheorie

Aggressives Verhalten bei Kindern gehet von einer Frustration oder einem Versagen aus.

Bei einer Frustration durch ein Hindernis wird ein zielgerichtetes Verhalten vom Kind gestört oder behindert, so dass das Ziel nicht erreicht werden kann.

Beispiel: Das Kind möchte Fernseher schauen, aber die Eltern verbieten es. Das Kind wird sauer und schlägt um sich und zeigt damit ein aggressives Verhalten.

Bei einer Frustration durch einen Mangelzustand werden essentielle Bedürfnisse nicht befriedigt. Bekommt ein Kind zum Beispiel kein Essen oder wird emotional Vernachlässigt, kann dies zu aggressiven Verhaltensweisen führen.

Beispiel: Das Kind bekommt von seinen Eltern kaum emotionale Zuwendung.

Bei einer Frustration durch einen schädigenden Reiz können Beleidigungen, Belästigungen oder unangenehme auditive oder visuelle Reize zu Aggressionen bei Kindern führen. Verstärkt wird dies, wenn sich die unangenehmen Reize auf engstem Raum abspielen.

Beispiel: Das Kind fühlt sich in der kleinen Bauecke im Kindergarten durch den Lärm der anderen Kinder gestört.

Welche Theorie ist die Richtige?

Keine der Theorien kann die Vielfalt aggressiver Verhaltensweisen bei Kindern komplett und alleine erklären. Viel mehr sind Aggressionen bei Kindern ein kompliziertes Geschehen bei dem viele Faktoren in Wechselwirkung stehen und eine Rolle spielen.

Ursachen für ein aggressives Verhalten bei Kindern

Um das Kind im Umgang mit seinen aggressiven Gefühlen und Aggressionen zu unterstützen, haben Eltern viele Möglichkeiten, denn oft sind die Ursachen für aggressives Verhalten harmlos. Müdigkeit, Hunger, ein schlechter Tag oder Traurigkeit können schon als Auslöser fungieren. Sind die Bedürfnisse befriedigt, kann das aggressive Verhalten genau so schnell verschwinden wie es gekommen ist.

Es geht generell nicht darum Aggressionen zu verbieten, sondern sie in eine akzeptable Bahn zu lenken. Klare Regeln und alternative Handlungen können helfen.

Das Kind kann durch die Aktivierung seiner Kräfte und Ressourcen immer wieder zu konstruktiven Aktivitäten angeleitet werden. Durch allgemein akzeptierte Betätigungen wie Herumrennen, Sport, Werken, Tanzen oder Schreien, kann sich das Kind abreagieren. Dem Kind sollten außerdem die Konsequenzen seines Verhaltens so erlebbar gemacht werden, dass es einsichtig für das Kind wird, dass Regelübertretungen negative Folgen haben.

Bei massiven Wutausbrüchen kann man ein “Time Out” einführen. Das bedeutet, das Kind wird aus dem Konfliktgeschehen herausgeführt, ihm wird Zeit und Raum zur Beruhigung gegeben, um dann darüber zu sprechen.

Wichtig ist vor allem, dass sich die Eltern der Vorbildfunktion bewusst sind. Ein Kind, das in der Partnerschaft der Eltern oder in der Erziehung körperliche Gewalt oder Aggressionen erlebt, wird dazu neigen selbst dieses Verhalten zu zeigen.

Wenn das aggressive Verhalten bereits fixiert ist und häufig auftritt

Wichtig ist zu hinterfragen, woher das aggressive Verhalten kommt und was der Auslöser dafür ist. Die Entwicklung des Kinder oder die familiäre Situation können wichtige Hinweise geben. Die Kenntnis der Entwicklung in Bezug auf das aggressive Verhalten ist deshalb so wichtig, weil dadurch erkannt werden kann, welche Ursachen, zum Beispiel mangelnde Zärtlichkeit, Modelllernen oder Verstärkungslernen für das Verhalten verantwortlich ist.

Sind die Verhaltensweisen auf Defizite in seinem bisherigen Prozess des sozialen Lernens zurückzuführen, so sind soziale Gruppensituation (Kindergarten, Sportvereine) ein ideales Erfahrungsfeld. Dort gibt es feste Regeln und das Kind erfährt direkte Konsequenzen auf sein aggressives Verhalten.

Hat sich das aggressive Verhalten des Kindes bereits verfestigt und es ist nicht mehr in der Lage durch alltägliche Lernprozesse in der Gruppe sein Verhalten zu ändern, dann kann eine frühe, kleinkindliche Schädigung zu Grunde liegen. Es sollte dann fachliche Dienste zur diagnostischen Abklärung hinzugezogen werden, die eine Beratung und Therapie bieten.

Wenn die aggressiven Verhaltensäußerungen des Kindes sehr massiv und wenig kontrollierbar sind, kann eine neurologische Untersuchung stattfinden, bei der Wahrnehmungsstörungen oder minimale Hirnstörungen festgestellt werden können.

Das Wichtigste im Umgang mit Kindern, die aggressives Verhalten äußern, ist, ihnen durch intensive Zuneigung und Beachtung, Wege zu zeigen und freizumachen. Ziel dabei ist es, ihr mangelndes Selbstwertgefühl zu steigern und ihre Angst- und Beunruhigungsgefühle zu vermindern.

Nicht zuletzt sollte man sich als Elternteil immer wieder Kraft und Stützen durch Freunde oder Verwandte holen.

 

Bildquelle: Nomad_Soul|Shutterstock.com

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