Kindergarten mit Freinet Pädagogik

Wer ist der Mann hinter der Freinet Pädagogik?

Célestin Freinet wurde 1896 in Provence, Frankreich geboren und wuchs in einer Bauernfamilie mit acht Kindern auf. Seine eigene Schulzeit erlebte Freinet als eine Qual, da er ein sehr aufgeweckter, freiheitsliebender und naturverbundener Junge war. Diese negativen Erfahrungen prägten seine Anschauung und sein späteres Handeln.

1913 begann Freinet eine Ausbildung zum Lehrer, wurde aber 1915 zum Kriegsdienst eingezogen. Im ersten Weltkrieg erlitt er schwere Verwundungen. Diese Erfahrungen machten ihn nach seiner Dienstzeit zu einem überzeugten Pazifisten. Im Jahr 1920 trat er in einer kleinen Dorfschule seine erste Stelle als Lehrer an. Nach seinen schlechten Erfahrungen in der eigenen Schulzeit suchte er nach alternativen Unterrichtsmethoden. Nach seinen Worten entlastet die Selbstständigkeit der Kinder den Lehrer.

1923 erwarb Freinet eine Druckpresse um geschriebene Texte seiner Schüler veröffentlichen zu können. Auf diese Weise entstand eine eigens entwickelte Schülerzeitung. Die Technik des Druckes verbreitete sich schnell, 1926 arbeiteten schon neun weitere Schulen damit. Mit dieser neuen Technik ersetzte Freinet im Laufe der Zeit die herkömmlichen Schulbücher um “den Kindern das Wort zu geben”. Die Druckerei wurde zum Symbol der schnell wachsenden Freinet-Bewegung.

1924 wurde die Cooperative de L’Einseigenement, kurz C.E.L., gegründet, welche sich zur Aufgabe machte, praxisnahe und auf die kindlichen Bedürfnisse angepasste Schulmaterialien zu entwickeln.

1926 trat Freinet in die Kommunistische Partei ein, aus der er 1948 wieder austrat. Sieben Jahre später wurde er vom Schuldienst suspendiert, da seine Schüler in einem freien Text über ein kirchliches Fest berichteten, bei dem sogar der Pfarrer betrunken war. Als Reaktion darauf begann ein offener Schulkampf, der sich bald zu einer schulpolitischen Auseinandersetzung auf nationaler Ebene entwickelte.

Gemeinsam mit seiner Frau Élise Freinet erwarb er 1933 ein Grundstück in Vence, auf dem sie eine Schule im Stil eines Internats aufbauten. Nach zwei Jahren wurde die Schule l’École Freinet eröffnet. 1940, also während des zweiten Weltkriegs, wurde Freinet mehrere Male verhaftet, da er in politischer Hinsicht als “unsichere Person” eingestuft wurde. Während dieser Zeit verfasste Freinet mehrere grundlegende pädagogische Arbeiten. 1941 wurde er vorzeitig aus dem Internierungslager Saint Sulpice entlassen, auf Grund krankheitlicher Umstände.

Im Alter von 69 Jahren, starb Célestin Freinet im Jahre 1966.

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Das Bild vom Kind in der Freinet Pädagogik

Freinet hatte ein besonderes Bild vom Kind. Er war der Meinung, dass Kinder lernen wollen und unter bestimmten Voraussetzungen selbst Gestalter ihrer eigenen Entwicklung sein können. Das Kind besitzt genügend Eigeninitiative und Kompetenzen, um sich eigenständig zu entwickeln. Das Kind ist auch in der Lage, seinen eigenen und ganz persönlichen Rhythmus für die Entwicklung zu finden. Dabei erhält das Kind Unterstützung von Erwachsenen, die dem Kind einen anregungsvollen Entwicklungsrahmen zur Verfügung stellen, in dem das Kind dem Drang nach Entwicklung nachgehen kann.

In der Freinet Pädagogik ist beschrieben, dass Kinder ihre eigenen Bedürfnisse erkennen, ausdrücken und bewältigen können. Das Kind weiß selbst was für sich gut ist, nicht der Erwachsene. Kinder haben eine Vielzahl von Erlebnissen, Erfahrungen und Handlungsideen. Freinet schrieb “Das Kind ist hungrig nach Leben und Aktivität”. Er nimmt das was Kinder tun bewertungsfrei und als Ausdruck ihrer Bedürfnisse wahr. Er erlaubt Kindern im Hier und Jetzt zu sein und stellt die Kompetenzen in den Vordergrund, nicht die Defizite. Er ist der Meinung, dass das Kind seine Defizite und fehlenden Kompetenzen von selbst entdeckt. Wann dies geschieht, bleibt die Entscheidung des Kindes.

Freinet sah das Kind nicht nur durchaus selbstständig, sondern schrieb dem Kind auch ein hohes Verantwortungsbewusstsein zu. Er schrieb “Das Kind, dem man Aktivitäten anbietet, die seinem physischen und psychischen Bedürfnissen entsprechen, ist immer diszipliniert, das heißt, es hat weder Regeln, noch äußere Verpflichtungen nötig, um alleine oder in Kooperation mit anderen auch einer anstrengenden Arbeit nachzugehen”. Wenn die Tätigkeit dem eigenen Antrieb entspringt, ist es die bestmögliche Sinnerfüllung für das Kind.

Kindergarten mit Freinet Pädagogik

Prinzipien der Freinet Pädagogik im Kindergarten und der Schule

Bezug zum Leben

Die Freinet Pädagogik öffnet den Alltag im Kindergarten und der Schule für das Leben der Schüler. Ihre Themen und Lernfelder sind ihre Vorlieben und das, was die kindliche Realität beschäftigt.

Sinn

Für Freinet ist das Bedürfnis nach Entwicklung immer an eine Begrenzung gerichtet und nach eigener Motivation diese zu überwinden. Denn Kinder lernen und handeln mit Sinn, wenn sie von Erwachsenen nicht mit deren Werte-, Moral-, und Zielvorstellungen überhäuft werden. In der Freinet Pädagogik wird darauf geachtet, das Verhalten des Kindes nicht zu bewerten und zu kommentieren.

Selbstständigkeit und Arbeit

Selbstbestimmte Aktionen und Arbeit sind für das Lernen unerlässlich. Produktivität, also die Fähigkeit gestaltend zu wirken, ist eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung des eigenen Ichs, denn in der Arbeit drückt sich das Ich frei aus. Die Arbeit und das Spiel sind in der Freinet Pädagogik eng miteinander verbunden.

Freiheit

Das Kind hat eine freie Wahl was die Auswahl der Arbeitsschwerpunkte, Materialien und Räume angeht. Diese sind im Kindergarten und in der Schule jederzeit frei zugänglich und auch ohne einen Erwachsenen nutzbar.

Verantwortung

Nur wo Kinder Entscheidungen mit Konsequenzen treffen können, entsteht auch Verantwortung. Die Kinder gestalten den Tagesablauf mit, haben großes Mitspracherecht und arbeiten beim Ankauf oder der Beschaffung von Unterrichtsmaterialien mit. Arbeitspläne und Klassenversammlungen sind ein wichtiger Bestandteil der Freinet Pädagogik.

Kooperation

Kinder sollen nicht miteinander konkurrieren sondern gemeinschaftlich arbeiten.

Die Aufgaben des Erziehers und des Lehrers

Es ist wichtig, dass der Erzieher oder der Lehrer am wirklichen Leben der Kinder teilnimmt. Er hilft ihnen dabei sich auszudrücken, ihre Bedürfnisse zu befriedigen und sie dabei als Entwicklungsbegleiter unterstützend zu begleiten. Erwachsene können Kindern verschiedene Impulse geben, Ziel der Pädagogik ist es jedoch, dass das Kind selbst entscheidet, welchen Impuls es annehmen möchte. Das Kind darf die Impulse eines Erwachsenen also durchaus ablehnen und abweisen. Ein selbstbestimmtes Arbeiten im Kindergarten und der Schule steht im Vordergrund.

Zusammenfassend ist es für den Erzieher/Lehrer wichtig, dem Kind die Fähigkeiten zur Selbstbestimmung zuzutrauen, ihnen entwicklungsreiche Rahmenbedingungen bereitzustellen und den Kindern Zeit und Raum zu geben um sich mitteilen zu können. Der Erzieher und Lehrer ist ein zurückhaltender Enwicklungsbegleiter, kein Vormacher oder Besserwisser, sondern steht gemeinsam mit den Kindern im Dialog um die Bedürfnisse herauszufinden und um ein selbstbestimmtes Lernen zu ermöglichen.

 

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