Lernen am Modell

Kinder lernen am Modell – Wenn Verhaltensweisen nachgeahmt und übernommen werden

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle wie Kinder lernen. Eines davon ist das Lernen am Modell, auch als Modelllernen bekannt.

Der Psychologe Albert Bandura beschreibt mit der Theorie Lernen am Modell ein Lernprozess, bei dem Verhaltensweisen durch Beobachtung und Nachahmung von Modellen erworben werden. Es beschreibt also den Prozess, bei dem eine Person (Kind) sich ein Verhalten aneignet, welches sie bei einer anderen Person beobachten konnte.

Für das Kind sind verschiedene Faktoren wichtig, die das Lernen am Modell, also wie Kinder lernen, begünstigen.

Beispielsweise ist es für den Beobachter (das Kind) erstrebenswert, wenn das Modell soziale Macht und ein hohes Ansehen geniest. Das Verhalten muss attraktiv erscheinen, die Bedürfnisse des Beobachters befriedigt und das Modell muss mit seinem Verhalten erfolgreich sein.

Verstärkende Faktoren beim Beobachter sind hingegen Unsicherheit, geringes Selbstwertgefühl Angst oder Abhängigkeit.

Lernen am Modell wird in zwei Phasen unterteilt

Die Aneignungsphase

Das Kind beobachtet ein Modell und seine Verhaltensweisen. Das Modellverhalten braucht vorerst nicht wiedergegeben werden, es kann durchaus sein, dass das Verhalten erst nach einem längeren Zeitraum nachgeahmt wird. Das passiert dann, wenn sich der Beobachter einen positiven Nutzen davon verspricht.

Das beobachtete Verhalten wird solange im Gedächtnis gespeichert und unter Umständen in Gedanken wiederholt.

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Die Ausführungsphase

Zu Beginn der Ausführungsphase steht der motorische Reproduktionsprozess. Mit fortgeschrittenen motorischen Fähigkeiten kann das Verhalten schneller nachgeahmt werden. Durch Wiederholung, Übung und anschließender Korrektur wird eine genaue Abbildung des gewünschten Verhaltens erreicht.

In der Motivationsphase wird das erlernte Verhalten gezeigt, sofern das Kind eine positive Konsequenz davon erwartet. Es muss also eine Motivation vorhanden sein. Das Kind lernt also ein Verhalten zu zeigen, wenn es sich einen Nutzen davon verspricht.

Mann mit Kind

Kinder lernen am Modell – auch in der Erziehung

Lernen am Modell findet innerhalb der Familie und der Betreuungszeit täglich statt. Damit sich das Kind ein Verhalten von der erziehenden Person abschaut (Eltern oder Erzieher) müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein.

Die erziehende Person muss vom Kind akzeptiert sein, als nachahmenswerte Persönlichkeit beurteilt werden und eine positive Beziehung zum Kind haben.

Hier wird auch der enorme Einfluss der Eltern klar, denn zu keinem anderen Menschen hat das Kind so eine enge Beziehung wie zu seinen Eltern. Kein anderer Mensch ist so ein großes Vorbild wie Mama und Papa. Und keine Persönlichkeit wird von deinem Kind als nachahmenswerter empfunden als deines.

Beispiele für das Lernen am Modell bei Kindern

Beispiel Grundschule: In der Grundschule schreibt die beliebte Lehrerin Frau Mustermann (Modell) Buchstaben an die Tafel. Durch die motorische Reproduktion erlernen die Kinder das Schreiben. Frau Mustermann motiviert die Kinder die Buchstaben abzuschreiben. Die Kinder schreiben die Buchstaben ab (sie ahmen das Modellverhalten nach) und lernen somit die Buchstaben.

Beispiel Schule: Sina, 8 Jahre alt, ist ein schüchternes Kind und hat nur wenige Freunde in der Schule. Susi (Modell) hingegen ist ein beliebtes Mädchen und hat viele Freunde. In der Pause beobachtet Sina eine Mädchengruppe, die sich rund um Susi versammelt hat. Susi erzählt viele Witze und bringt ihre Freundinnen damit zum Lachen. Am nächsten Tag steht Sina in der Pause und erzählt den anderen Kindern lustige Geschichten (ahmt das Modellverhalten nach).

Beispiel Familie: Der kleine Max beobachtet seinen Vater (Modell), wie er seiner Frau beim Kochen hilft. Der Vater schneidet das Gemüse, deckt den Tisch und macht danach den Abwasch. Als Dankeschön bekommt er einen besonders schön hergerichteten Nachtisch von seiner Frau auf den Tisch gestellt. Max hätte diesen Nachtisch auch gerne. Am nächsten Tag möchte Max auch beim Kochen helfen (ahmt das Modellverhalten nach).

Beispiel Kindergarten: Noa, 4 Jahre alt, schaut zu Hause oft Superhelden Zeichentrickserien. In der letzten Folge hat des Bösewicht etwas geklaut, was der Superheld nach einem Kampf wieder zurückgewinnen konnte. Als ein anderer Junge Noa ein Spielzeug im Kindergarten wegnimmt, versucht Noa den Konflikt mit einem Kampf zu lösen.

Auch mal an die eigene Nase fassen

Hat das Kind ein Verhalten abgeschaut und verinnerlicht, wird es dieses auch anwenden. Eltern fällt oft gar nicht auf, woher das erlernte Verhalten stammt. Von motorischen Reproduktionen, bis hin zu Redewendungen kann sich das Kind so einiges von der erziehenden Person abschauen, sowohl positives, als auch negatives Verhalten.

Bringt dich dein Kind bei der nächsten Diskussion um den Verstand, schaue doch einmal genau hin, wie du in solchen Situationen reagierst, vielleicht hält dir dein Kind gerade einfach nur den Spiegel vor.

Eine weitere Lerntheorie ist das Lernen durch Verstärkung.

Unsere Buchempfehlung zum Lernen am Modell von Albert Banduras

Wenn du dich intensiver mit der Lerntheorie Lernen am Modell auseinandersetzen möchtest, empfehlen wir dir folgendes Buch. Hierbei handelt es sich um eine Studienarbeit aus dem Jahr 2015, die sich mit der Theorie von Albert Banduras beschäftigt.

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