Kinder lernen durch Verstärkung verschiedene Verhaltensweisen

Kinder lernen durch Verstärkung – Wenn Verhaltensweisen verstärkt werden

Neben dem Lernen am Modell gibt es das Erklärungsmodell Lernen durch Verstärkung, bei dem Verhaltensweisen positiv oder negativ verstärkt werden um ein gewünschtes Verhalten des Kindes zu erreichen.

Ein Experiment – Die Skinnerbox

Der Psychologe Burrhus Frederic Skinner konstruierte für diese Theorie die sogenannte Skinner Box und führte zwei Versuche mit Ratten durch.

In der ersten Versuchsanordnung wurde eine hungrige Ratte in einen kleinen Käfig mit einem Hebel gesperrt. Zunächst zeigte das Tier spontane, willkürliche und vielfältige Verhaltensweisen. Irgendwann drückte die Ratte den kleinen Hebel und löste einen Mechanismus aus, der etwas Futter in den Käfig fallen ließ. Die Ratte wurde also für das Drücken des Hebels belohnt und drückte während des Versuchs vermehrt den Hebel.

In der zweiten Versuchsanordnung von Skinner wurde das Eisengitter, auf dem die Ratte stand, unter Strom gesetzt. Diesmal konnte durch das Drücken des Hebels der Strom für kurze Zeit ausgestellt werden. Auch bei dieser Versuchsanordnung konnte ein vermehrtes Drücken des Hebels festgestellt werden.

Bei beiden Versuchen hat die Ratte nach dem Prinzip der Verstärkung gelernt.

An diesem Experiment lässt sich das Prinzip von Lernen durch Verstärkung verdeutlichen. Zu Beginn der Versuche zeigte die Ratte viele verschiedene Verhaltensweisen, auf die keine Konsequenzen folgten. Also passte die Ratte ihr Verhalten nicht an.

Als die Ratte das erste Mal den Hebel drückte, folgte eine angenehme Konsequenz. Im ersten Versuch wurde sie mit Futter belohnt, im zweiten Versuch wurde der unangenehme elektrische Reiz abgeschaltet. Es hatte also eine positive Konsequenz für die Ratte.

Hat das Hebeldrücken mehrmals die gleiche positive Konsequenz, tritt das Verhalten vermehrt auf.

Kinder lernen durch positive Verstärkung

Lässt sich durch ein bestimmtes Verhalten eine positive Konsequenz für das Kind herbeiführen und aufrecht erhalten, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten in der gleichen oder ähnlichen Situation erneut auftritt.

Beispiel für das Lernen durch positive Verstärkung

Anna hat am Abend den Tisch für die Familie gedeckt. Als Belohnung bekommt sie zum Nachtisch ein großes Stück Schokolade. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sina den Tisch in Zukunft wieder decken möchte, steigt.

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Kinder lernen durch negative Verstärkung

Lernen durch negative Verstärkung bedeutet, dass sich durch ein Verhalten regelmäßig negative Konsequenzen oder Situationen vermeiden lassen. Ist dies der Fall, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Verhalten erneut auftritt.

Lernen durch negative Verstärkung wird unterschieden in das Fluchtlernen und das Vermeidungslernen. Der Unterschied liegt also im Zeitpunkt der Änderung des Verhaltens.

Fluchtlernen bedeutet, dass das Kind bereits unmittelbar mit dem unangenehmen Ereignis konfrontiert ist und das Verhalten zeigt, um aus dieser Situation zu entkommen.

Vemeidungslernen bedeutet, dass das Kind rechtzeitig dafür Sorgt eine unangenehme Situation zu vermeiden.

Positive Verstärkung ist das Hinzufügen eines angenehmen Reizes. Negative Verstärkung ist das Entfernen eines unangenehmen Reizes. Beide Verstärker lassen ein Verhalten öfter auftreten.

Löschung durch Nicht-Verstärkung

Hat ein gezeigtes Verhalten für das Kind weder eine positive, noch eine negative Konsequenz, dann wird das Verhalten in Zukunft mit der selben Häufigkeit,oder gar nicht mehr auftreten. Eine Verhaltensweise die zuvor durch positive oder negative Verstärkung erworben wurde, kann so abgebaut und gemindert werden.

Beispiel für das Löschen durch Nicht-Verstärkung

Beispiel: Lina, 6 Jahre, beschimpft ihre Eltern oft mit unangemessenen Schimpfworten. Sie hat gelernt, dass die Eltern darauf reagieren und sie somit Aufmerksamkeit bekommt. Nachdem Linas Eltern nicht mehr auf die Schimpfworte reagieren, wird dieses Verhalten weniger gezeigt.

Lernen durch Verstärkung in der Erziehung

Das Lernen durch Verstärkung stellt Eltern eine unverzichtbare Erkenntnis zur Verfügung, die das Verhalten des Kindes nachhaltig verändern lässt.

Bevor ein Verhalten aufgebaut werden kann, muss es zunächst einmal gezeigt werden. Ist dies noch nicht geschehen, können Eltern eine Motivation schaffen, um das Verhalten herbeizuführen. Sie können zum Beispiel eine Belohnungen, tolle Tätigkeiten in Aussicht stellen oder die Beseitigung einer negativen Konsequenz ankündigen. Wichtig ist, dass diese Lernreize nur dann funktionieren, wenn sie positive Folgen für das Kind haben, also wenn sie ihren Bedürfnissen entsprechen.

Beispiele für das Lernen durch Verstärkung

Beispiel 1

Marc, 7 Jahre, hat der Erzieherin im Kindergarten beim Putzen geholfen. Er wird von seiner Erzieherin gelobt und bekommt eine kleine Belohnung.

Beispiel 2

Nina, 5 Jahre, hat ihr Zimmer nicht aufgeräumt. Ihre Mutter beschließt den Ausflug in den Tierpark am nächsten Tag abzusagen. Daraufhin geht Nina in ihr Zimmer und räumt ihre Spielsachen ordentlich an ihren Platz. Ninas Mutter lobt das Kind und der Ausflug in den Tierpark findet am nächsten Tag statt.

Eine weitere Lerntheorie ist das Lernen am Modell.

 

Bildquelle: George Rudy|Shutterstock.com

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