Kindeswohlgefährdung bei Kindern

Vorwort

Ein Thema über welches nicht gerne gesprochen wird. Ein Thema das so unangenehm ist, dass sich viele Eltern nicht damit auseinandersetzen. Und trotzdem ist es traurige Wahrheit, dass im Jahr 2015 fast 130 000 Vorfälle von Kindeswohlgefährdung bei den deutschen Jugendämtern untersucht wurden.

Definition von Kindeswohlgefährdung

In der Fachliteratur gibt es mehrere Definitionen von Kindesmisshandlungen oder Kindeswohlgefährdung, welche sich aber grundsätzlich in enge und weite Definitionen unterscheiden lassen. Eng ge­fasste Definitionen umfassen meist nur Fälle, in denen Kinder körperlich verletzt  oder lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt werden. Weit gefasste Definitionen umfassen außerdem noch alle Handlungen, welche im gewissen Maße von der gesellschaftlichen Norm abweichen. Hierunter zählt häufiges Schimpfen, Schläge oder Liebesentzug und alle Reaktionen, welche als potentiell schädlich zu bewerten sind.

Eine exemplarische Definition ist

Mit einer Kindeswohlgefährdung in Familien sind jene situativen, physischen und psychischen Gewalthandlungen gegen Kinder gemeint, die entweder körperliche Verletzungen oder sogar den Tod zur Folge haben und im Kinde existenzbedrohende Angstgefühle hervor­rufen. Dies ist eine schwere Form der Kindeswohlgefährdung. Mit diesem Sammelbegriff werden unterschiedliche Arten von Handlungen zusammengefasst, die jedoch unter­schieden werden müssen.

Formen der Kindeswohlgefährdung

Körperliche oder physische Kindeswohlgefährdung

Zusammenfassend können unter der Form der körperlichen Kindeswohlgefährdung alle Handlungen ver­standen werden, bei welcher eine mögliche körperliche Gefährdung besteht. Das heißt, alle Handlungen von Eltern oder anderen Bezugspersonen, die durch Anwendung von körperlichem Zwang/Gewalt, zu physischen oder psychischen Schäden des Kindes und seiner Entwicklung führen.

Mögliche Formen der körperlichen Misshandlungen sind:

Schläge, Tritte, Kratzen, Beißen, Schläge mit Gegenständen, Werfen und Schleudern der Kinder, Knochenbrüche, Schütteln, Verbrennen, Stich- und Schnittverletzungen, Ersti­ckungsversuche, Stromschläge, Vergiftungen oder Verätzungen.

Inwiefern ein Kind bei diesen Vorgängen Verletzungen davonträgt, hängt von drei Bedingungen ab:

Die Intensität der Gewaltanwendungen. So hat zum Beispiel ein Knochenbruch nachhaltigere Folgen als eine Ohrfeige.

Das Alter und die Empfindlichkeit des Kindes können zu unterschiedlichen Ausprägungen der Verletzungen führen. Bei einem Säugling kann heftiges Schütteln in manchen Fällen bis zum Tod führen, während ein Vorschulkind weniger starke Verletzungen erleidet.

Weiterhin kommt es auf die situativen Umstände an. Hierbei wird zum Beispiel unterschieden, mit welchem Gegenstand geschlagen wird. Die Folgen eines Wurfes auf ein Bett sind nicht so extrem wie bei einem Aufprall auf einem Steinfußboden.

Beispiel für körperliche oder physische Kindeswohlgefährdung

Der drei jährige Max spielt im Wohnzimmer mit seinem Konstrukionsmaterial und baut einen Turm. Als dieser zusammenfällt fängt Max das weinen und schreien an. Nach mehreren Minuten kommt sein Vater in das Wohnzimmer und versucht Max zu beruhigen. Als ihm dies nach mehreren Minuten nicht gelingt, schlägt der Vater Max mehrmals mit der flachen Hand in das Gesicht.

 

Seelische oder psychische Kindeswohlgefährdung

Bei jeder Form von Misshandlung trägt das Kind seelische Schäden davon. Seelische oder psychische Misshandlungen umfassen ungeeignete und unzureichende, nicht dem Alter angemessene Handlungen und Beziehungsformen von Erziehungsberechtigten zu Kindern. Dies kann folgende Formen annehmen:

Ablehnung, Überfordern, Demütigen, Ängstigen, Terrorisieren, Isolation oder Verweige­rung emotionaler Zuwendung.

Beispiel für seelische oder psychische Kindeswohlgefährdung

Der zweijährige Dennis hat sich beim Spielen das Bein verletzt. Als er weinend zu seiner Mutter rennt und getröstet werden möchte, schreit diese ihn an, dass nun ein Loch in sei­ner neuen Hose sei. Mehrere Minuten schimpft sie mit Max und droht ihm unangemessen hohe Strafen an.

Junge mit Teddy im Wald

Vernachlässigung als Form der Kindeswohlgefährdung

Vernachlässigung bezeichnet das andauernde und wiederholte Unterlassen der Fürsorge, beziehungsweise des fürsorglichen Handelns. Dabei werden Kinder nicht ausreichend ernährt, gekleidet, gepflegt oder versorgt. Die kindlichen Bedürfnisse nach Nähe, Zuneigung und Schutz werden nicht gewürdigt und wahrgenommen. Weitere Formen sind:

Im Stich lassen oder ungenügende Überwachung und Kontrolle (zum Beispiel Aufsichts­pflicht, Schulpflicht).

Beispiel für Vernachlässigung

Kurz nach Winteranfang hat es das erste Mal im Jahr geschneit. Die 8-Jährige Sina kommt an diesem Morgen mit kurzer Hose und einem T-Shirt in die Schule. Auch fällt auf, dass die Klamotten an mehreren Stellen Löcher haben, dreckig sind und bereits unangenehm riechen.

Anzeige

Folgen und Auswirkungen einer Kindeswohlgefährdung

Körperliche Folgen

Körperliche Folgen von Misshandlungen sind unter anderem blaue Flecken, Wunden, Bisswunden, Verbrennungen oder Knochenbrüche. In seltenen Fällen sind die körperli­chen Folgen so schwerwiegend, dass sie bis zum Tode führen können. Als langfristige Folgen können Schlaf- und Essstörungen, Bettnässen oder Einkoten auftreten. Auch psy­chosomatische Symptome wie zum Beispiel Kopfweh, Bauchweh, Durchfall oder Bauch­weh können auftreten.

 

Psychische und psychosoziale Folgen

Unter psychischen und psychosozialen Auswirkungen werden langfristige Erscheinungen mit großer Auswirkung auf Lebenskonzepte und Gefühle der Betroffenen verstanden. Viele Symptome treten erst nach längerer Zeit auf, deshalb ist es schwer, diese zweifels­los einer zugrundeliegenden Misshandlung zuzuordnen.

Mögliche Folgen oder Auswirkungen können jedoch sein

Mangelnde Fähigkeit Freude zu empfinden: Misshandelte Kinder fallen im Vergleich zu nicht misshandelten Kindern mehr durch den Verlust der kindlichen Fröhlichkeit, Passivität beim Spielen oder einer generellen Niedergeschlagenheit auf.

Schwaches Selbstwertgefühl: Misshandelte Kinder haben häufig das Gefühl, dass sie weniger können und dementsprechend weniger wert sind. Durch die Ablehnung der Eltern und das Wissen, dass ihr Handeln, egal ob durch Aktivität oder Passivität, Gewalt zur Folge haben kann, entwickeln Kinder wenig Vertrauen in ihr eigenes Handeln.

Rückzugstendenzen: Durch negative Erfahrungen fühlen sich Kinder ungeliebt und ver­meiden soziale Kontakte und ziehen sich zurück.

Distanzlosigkeit: Als Folge der gemachten Erfahrungen kann ein Kind nur schwer ein­schätzen, was ein angemessenes Verhalten in Bezug auf Nähe und Distanz ist. Dies kann gegenüber Erwachsenen, aber auch gegenüber anderen Kindern, auftreten.

Erhöhte Wachsamkeit: Hat ein Kind Angst oder kann die Reaktion auf sein Handeln nicht einschätzen, kann für andere der Eindruck entstehen, als ob das Kind gehetzt oder „auf der Hut“ ist. Es versucht, seine Mitmenschen genau zu beobachten, um erschließen zu können, was passieren wird.

Perfektionismus: Hierbei spricht man von einem überangepassten Kind. Dies äußert sich meist darin, dass es Angst hat, einen Fehler zu begehen und sehr darauf achtet, den El­tern zu gefallen. Durch dieses Verhalten hofft das Kind, den Eltern keinen Grund für eine eventuelle Misshandlung zu geben.

Lern- und Leistungsschwierigkeiten: Misshandelte Kinder sind häufig in der kognitiven Entwicklung beeinträchtigt. Dies wirkt sich wiederum auf in der Sprachentwicklung aus. Meist wird die Sprache, gerade im Kindesalter, genutzt, um Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Dies wiederum kann in einer gewaltbereiten Familie dazu führen, dass das Kind sich nicht mehr traut zu sprechen. Die Sprachförderung wird somit vernachlässigt, was dazu führt, dass sich das Kind oftmals nicht altersgemäß ausdrücken kann. Dies kann gerade in der Schule zu erheblichen Problemen führen.

Erhöhte Gewaltbereitschaft: Häufig werden bei misshandelten Kindern eine erhöhte Ge­waltbereitschaft und häufiges aggressives Verhalten diagnostiziert. Die Kinder erkennen, wie Erwachsene mit Gefühlen wie Wut, Ärger oder Frustration umgehen, übernehmen diese Verhaltensweisen und setzen diese im eigenen Umfeld um.

Erhöhtes Suchtrisiko und autoaggressives Verhalten: Kinder, welche Opfer von Miss­handlungen wurden, haben ein 7-12 fach höheres Risiko für Drogenkonsum, Alkohol­sucht, Suizidversuche oder autoaggressives Verhalten im Jugend- und Erwachsenenal­ter.

Neurologische Folgen

Forscher der Universität Münster haben in einer Studie biologische Veränderungen im Hirn der Misshandlungsopfer nachweisen können. Noch mehrere Jahre nach der Tat zei­gen die Opfer eine erhöhte Aktivität des Angstzentrums und mehrere verkleinerte Gehirn­areale. Hierzu zählen der sogenannte Hippocampus, welcher für das Lernen zuständig ist, aber auch der Hirnlappen, welcher das Angstzentrum kontrolliert. Kleinere Gehirnareale führen zu einer schlechteren Leistung, was gerade im Lernverhalten massive negative Folgen haben kann.

 

Ursachen einer Kindeswohlgefährdung

Die Gewaltforschung bietet verschiedene Erklärungsmodelle für die Entstehung einer Kindeswohlgefährdung in der Familie. Dabei zeigt sich eine große Bandbreite zwischen indivi­duellen und gesellschaftlichen Ansätzen, um Gewalt gegen Kinder zu erklären. Häufig sind mehrere Faktoren von Bedeutung. Eine Erklärung anhand eines Erklärungsmodells ist nur schwer möglich, da die Ursachen meist in einem multifaktoriellen Ursachengeflecht liegen.

 

Misshandlung als gesellschaftliches Problem

Kindeswohlgefährdung kann als gesellschaftliches Problem verstanden werden. Gewalt ist in vielen Familien und Kulturen seit Jahrhunderten ein normaler Bestandteil des alltägli­chen Zusammenlebens. Auslösende Faktoren für Misshandlungen in Familien lassen sich oftmals mit Stressfaktoren erklären, welche von außen auf die Familie, oder einem Mit­glied der Familie, einwirken. Armut, Isolation, berufliche Belastung, Arbeitslosigkeit, Woh­nungsverlust, Alkohol- und Drogenmissbrauch, psychische Probleme und Vorerfahrungen mit gewalttätigen Erziehungsmethoden, können krisenhaft erlebt werden und so zu einer ansteigenden Gewaltbereitschaft beitragen. Häufig treten Kindesmisshandlungen bei einer krisenhaften Zuspitzung von sozialen und familiären Lebensbelastungen auf. Man kann also sagen, dass Krisen ein Auslöser von familiärer Gewalt sind. Mit Krisen sind au­ßerdem Einflüsse gemeint, die von außen auf eine Person einwirken, so dass die Betrof­fenen sich mit diesen auseinandersetzen müssen.

 

Psychopathologischer Erklärungsansatz

Bis in die 80ziger Jahre wurde der psychopathologische Erklärungsansatz favorisiert. Die­ser fokussiert die Persönlichkeit des Täters und geht von genetischen oder sozial erwor­benen Defiziten aus, welche zu einer Täterpersönlichkeit, das heißt zu einer Veranlagung zu gewalttätigem Handeln, führen.

Die Annahme besteht darin, dass wenn ein Mensch in seiner eigenen Kindheit Gewalter­fahrungen machen musste, das Risiko steigt, gewalttätig den eigenen Kindern gegenüber zu handeln. Problematisch zu betrachten ist jedoch, dass diese Annahme sehr eindimen­sional ist. So liegt die Schuld einzig und alleine beim Täter, äußere Faktoren und Bedin­gungen werden ausgeblendet.

Anzeige

Biografischer Erklärungsansatz

Beim biografischen Erklärungsansatz geht man davon aus, dass die Ursache von Gewalt immer am Ende eines Interaktionsgeschehens steht. Gewalt ist demnach eine Reaktion auf Gefühle der Ohnmacht, Bedrohung und Verunsicherung. Somit ist eine Kindeswohlgefährdung ein Ver­such mit krisenhaften Ereignissen umzugehen.

Folgende Formen lassen sich dabei unterscheiden:

Wiederholung von Gewalt

Gewalt gegen Kinder stellt in vielen Fällen eine Abreaktion von überforderten Elternteilen dar. Hierbei wird meist das schwächste Familienmitglied gewählt. Die eigenen Gewalter­fahrungen in der Kindheit spielen hier eine entscheidende Rolle. Meist wird in solchen Situationen auf eigene Erfahrungen und Erlerntes zurückgegriffen und die Gewalterfah­rungen der Kindheit wiederholt.

Rollenumkehr

Auch hier spielen frühere Erfahrungen der Eltern eine wichtige Rolle. Die Eltern hoffen, dass das Kind ihnen die Liebe und Anerkennung geben kann, welche sie in der eigenen Kindheit nicht erfahren haben. Da sich Kinder jedoch selbst in einer emotionalen Abhän­gigkeit gegenüber den Eltern befinden, sind sie meist mit diesen Ansprüchen überfordert. Erfüllt das Kind die Erwartungen nicht, fühlen sich die Eltern verletzt und in die demüti­gende Lage ihrer eigenen Kindheit zurück versetzt. Als Folge werden die Kinder be­straft.

Fehleinschätzung des Kindes durch Projektionen

Bei einer Fehleinschätzung des Kindes fühlen sich die Eltern meist zu sehr gefordert oder können den Bedürfnissen des Kindes nicht mehr nachkommen. Die Ursachen und Ärger­nisse der Eltern werden projektiv auf das Kind verschoben und übertragen. Das Kind wird als Bedrohung angesehen, auf welches gewalttätig reagiert wird. Die Misshandlung wird deshalb von Eltern als notwendige Verteidigung gewertet.

Zu hohe Erwartungen

Häufig haben Mütter und Väter zu hohe Erwartungen an ihr Kind. Versucht es, diese zu erfüllen, erreicht sie aber nicht, wird es entmutigt und verfällt in Passivität. Dies hat häufig Gewalt gegen das Kind zur Folge.

 Mangelndes Empathievermögen

Eltern mit geringen empathischen Fähigkeiten können sich nur schwer in das Kind und dessen Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse hineinversetzen. Die Reaktionen des Kindes können nicht verstanden und eingeordnet werden. Sie begegnen diesen mit Gewalt.

 

Aschenputtel Syndrom – Wechselwirkung zwischen Verhalten des Kindes und Kindeswohlgefährdung

Hervorzuheben ist hierbei, dass die Schuld keineswegs bei den Kindern gesucht wird, sondern dies lediglich ein Erklärungsmodell ist.

Diese Ursache beschreibt, dass das Kind unbewusst zur Kindeswohlgefährdung beiträgt. In den meisten Familien, auch wenn mehrere Kinder vorhanden sind, wird meist nur ein Kind Opfer von Misshandlungen. In diesem Sinne wird vom „Aschenputtel-Syndrom“ gespro­chen. Das betroffene Kind scheint bestimmte Verhaltensweisen zu zeigen, welche unge­rechtfertigt  Auslöser für gewalttätige Handlungen sind. Ein oft genanntes Beispiel sind die sogenannten „Schrei-Kinder“, welche für die Eltern eine hohe Belastung sind. Es wird da­von ausgegangen, dass nicht nur die Eltern Einfluss auf das Kind haben, sondern auch umgekehrt. Dies bestimmt indirekt die Reaktionen der Kinder. Häufig werden Verhaltens­auffälligkeiten wie AD(H)S als Erklärung für Misshandlungen benutzt. Auch unerwünschte, kränkelnde, missgebildete, oder frühgeborene Kinder sind eher gefährdet Opfer einer Misshandlung zu werden.

 

Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Das nach dem Lügenbaron benannte Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom stellt eine schwere Persönlichkeitsstörung dar. Elternteile täuschen an ihren Kindern Krankheiten vor oder erzeugen diese willentlich. Auch wird hierbei durch falsche Angaben, Schilderun­gen oder vorgetäuschten Symptomen eine ärztliche Behandlung, vorzugsweise einen Krankenhausaufenthalt zu erreichen versucht wird. An einem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidende Menschen haben sich oft ein fundiertes medizinisches Wissen ange­eignet und schildern akute Beschwerden und Krankengeschichte so schlüssig, dass auch erfahrene Ärzte dem Täuschungsmanöver erliegen können. Daneben werden vielfach auch Labortests verfälscht, indem die Patienten beispielsweise der Urinprobe Glukose oder Blut beimengen. Selbst unangenehme oder schmerzhafte diagnostische Eingriffe und Operationen werden nicht gescheut.

 

Symptome und Diagnostik einer Kindeswohlgefährdung

Um eine gesicherte Diagnose bei einer Kindeswohlgefährdung oder einer Kindesmisshandlung zu stellen, müssen mehrere Fakto­ren bedacht und untersucht werden. Ein zentraler Faktor ist dabei der körperliche Zustand und das Erkennen von vorsätzlich zugefügten Verletzungen. Hierbei kommt es auf Fach­kräfte an, welche herausfinden müssen, wie die Verletzungen entstanden sind und ob die Erklärung dafür plausibel ist.  Verletzungen werden auf verschiedene Merkmale unter­sucht und Erklärungen für ihr Entstehen geprüft.

Hilfreich zur Erkennung sind folgende Symptome

Hautsymptome

  • Vorhandensein von Griffspuren
  • Hämatome, an Stellen welche eher selten durch Stürze oder beim Spielen entstehen, können einen Hinweis auf Kindeswohlgefährdung sein.
  • Bissverletzungen

Verbrennungen und Verbrühungen

Kein „splash and drop“ Muster. Dies beschreibt die Folgen einer unfallbedingten Verbrü­hung, bei welcher Kinder das betroffene Körperteil panikartig wegziehen und es somit zu einem unregelmäßigen Verbrennungsmuster kommt. Deshalb sprechen unregelmäßige Wundkonturen für eine unfallbedingte Verletzung, während geradlinige oder sogar er­kennbare Abdrücke, von zum Beispiel einem Bügeleisen, auf absichtlich herbeigeführte Verletzungen hindeuten können.

Brandwunden im „Handschuh oder Strumpfmuster“. Wird ein Kind in heißes Wasser ein­getaucht, so zieht es instinktiv Füße/Hände wieder zurück. Bei einer gewaltsamen Ver­brühung wird das Kind absichtlich in das heiße Wasser eingetaucht. Dabei entsteht das oben beschriebene Wundmuster.

Frakturen

Zufällige von nicht-zufälligen Frakturen zu unterscheiden fällt meist sehr schwer. Generell muss die Erklärung für den Bruch geprüft werden.

Blutungen

Blutungen im Auge sind bei Kindern sehr selten und können Symptome einer mögliche Misshand­lung hin. Sie entstehen durch Würgen, wobei es zum Platzen von Blutgefäßen und einer Blutung im Auge kommt.

Auffälliges Verhalten

Das Kind schaut sich ununterbrochen um, es macht den Anschein als ob es verfolgt wird. Es traut sich nicht seine Meinung zu äußern (ist überangepasst), trägt unangemessen viel Verantwortung und ist enorm selbstständig. Bei schnellen Bewegungen zuckt das Kind und versucht sich zu schützen.

 

Was du tun solltest, wenn du den Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung hast

Wenn du einen Verdacht hast, solltest du dich an Fachleute wenden, die eine besondere Ausbildung dafür haben. An diese Stellen kannst du dich wenden, auf Wunsch auch anonym.

  • Beratungsstellen in freier Trägerschaft (beispielsweise dem Kinderschutzbund)
  • Familien- und Erziehungsberatungsstellen
  • dem Jugendamt
  • der Polizei

Viele Beratungsstellen behandeln deine Aussagen vertraulich, das Jugendamt ist zum Beispiel nicht zur Anzeige verpflichtet. Wendest du dich direkt an die Polizei wird in jedem Fall eine entsprechende Ermittlung aufgenommen.

 

Bildquelle:  TORWAISTUDIO|shutterstock.com

©2017 - 2019 Dear Mama

Logge dich mit deinem Benutzernamen ein

Anmeldedaten vergessen?