Lunch Shaming

Kantinenessen landet im Mülleimer

Nachdem das Schuljahr begonnen hatte stand Hühnchen auf dem Speiseplan an einer Grundschule in Pennsylvania, ein durchaus beliebtes Essen bei Kindern. Die Eltern eines Kindes hatten das Essensgeld nicht bezahlen können, deshalb nahm die Kantinenmitarbeiterin Stacy Koltiska den vollen Teller des Jungen an sich und schmiss sein Mittagessen vor den Augen der anderen Kindern in den Müll.

Stacy Koltiska sagte, dass dieses Vorgehen von ihr verlangt wurde und wohl zur gängigen Praxis gehöre. Sie entschied sich nach dem Vorfall ihren Job zu kündigen, da sie dieses Vorgehen nicht unterstützen könne.

 

“Lunch shaming” soll an US Schulen gängige Praxis sein

Das beschriebene Vorgehen soll an US Schulen kein Einzelfall sein. Kann ein Kind sein Essen nicht bezahlen, muss es an manchen US Schulen zur Strafe beispielsweise den Fußboden der Kantine wischen oder bekommt einen Stempel auf den Arm mit der Aufschrift “Ich schulde Essensgeld”.

Mitarbeiter der Schulen erhoffen sich wohl, dass Eltern durch derartige Konsequenzen unter Druck geraten und das Essensgeld zuverlässiger bezahlen.

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New Mexico hat bereits reagiert

Dank Stacy Koltiska, die den Vorfall in die Öffentlichkeit rückte, entstand in den letzten Tagen eine große Debatte um das Thema. Der Bundesstaat New Mexico hat bereits reagiert und derartige Maßnahmen verboten. Ähnliche Gesetze sollen in Kalifornien und Texas folgen. Jennifer Ramo, Leiterin der Organisation Appleseed , die gegen Armut kämpft, kennt solche Maßnahmen und bestätigte, dass dies kein Einzelfall sei.

 

Zwischen Demütigung und Bloßstellung

Was solche Maßnahmen in einem Kind bewirken, kann man sich vorstellen. Nicht nur, dass das Kind hungrig in den Unterricht zurückkehren muss, sondern vor allem das Ausnutzen der hilflosen Situation des Kindes ist aus unserer Sicht absolut nicht tragbar. Das Kind wird bloßgestellt, stigmatisiert, gedemütigt und vor allem für ein Verhalten bestraft, auf das es selbst wenig bis keinen Einfluss hat.
Zudem soll ein Vertrauensverhältnis zwischen Schule und  Schülern entstehen. Kinder sollen die Schule gerne besuchen und sich geborgen fühlen, sie sollen Spaß am Lernen und in der Gemeinschaft erfahren. Für viele Schüler aus sozial schwachen Familien ist die Schulzeit auch ein Entkommen von zu Hause, ein Abschalten und das Vergessen von Problemen. Wie soll sich ein Kind in einem Umfeld sicher und vertraut fühlen, in dem es eine solche Demütigung erfährt? Wie soll sich ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, wenn Kinder von Vertrauenspersonen bloßgestellt werden? Und was geht in dem Kopf des Kindes vor, wenn es stellvertretend für seine Eltern bestraft wird?

Ausstehende Forderungen der Schulen

Natürlich ist es für Schulen und andere Einrichtungen ärgerlich auf den entstandenen Kosten sitzen zu bleiben, denn auch soziale Einrichtungen müssen kostendeckend arbeiten und mit ihren finanziellen Mitteln haushalten. Eine Lösung um solche Situationen zu vermeiden wäre beispielsweise eine getrennte Anmeldung von Kindern die Essen über die Schule beziehen und Kindern, die ihr Essen von zu Hause mitbringen um Kinder gar nicht erst in solche Situationen zu bringen.
Übrigens können finanziell schwache Familien in Deutschland eine Kostenübernahme für das Schulessen beantragen, welcher durch das Harz IV Bildungspaket abgedeckt ist. Das Geld geht dann meist direkt bei der Schule ein, so dass die familiäre Situation diskret behandelt werden kann.
Bildquelle: Africa Studio|Shutterstock.com

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