Ein Portfolio im Kindergarten gehört für viele Einrichtungen zum Konzept

Das Portfolio im Kindergarten gehört zum Konzept

Oft gehört das Portfolio im Kindergarten zum Konzept und ist fest in den Tagesablauf integriert. Was ein Portfolio im Kindergarten ist, wie es geführt wird und wie dein Kind davon profitieren kann, erklären wir hier. Die Umsetzung und Form kann sich von Kindergarten zu Kindergarten unterscheiden.

Definition Portfolio

Der Begriff Portfolio hat mehrere Bedeutungen. Zum einen wird der Begriff in der Finanzwelt, im Management und Marketing, bei kreativen Freiberuflern und im pädagogischen Bereich verwendet. Im Folgenden möchten wir auf den Zusammenhang im sozialen Bereich eingehen.

Portfolio setzt sich aus den lateinischen Wörtern portare (deutsch: tragen) und folium (deutsch: Blatt) zusammen. Ursprünglich bedeutete das Wort so viel wie Brieftasche, also eine Tasche in der wichtige Dokumente mitgeführt wurden. Beispielsweise Künstler oder Architekten führten ein solche Tasche mit sich, um die Qualität ihrer Arbeit zeigen zu können und wie sich ihr Können im Laufe der Zeit entwickelte.

Im pädagogischen Bereich hat das Portfolio eine ähnliche Bedeutung. Auch hier sammeln sich Beweise für Kompetenzen, welche im Laufe der Kindergartenjahre erworben wurden.

Folgendes zeichnet ein Portfolio im Kindergarten aus

  • Es enthält die wichtigsten Informationen und Produkte der Kinder.
  • Es wird kontinuierlich und regelmäßig daran gearbeitet.
  • Es ist individuell und persönlich, immer auf ein Kind bezogen und beschreibt dieses umfassend.
  • Es werden unterschiedliche Dokumentationsformen und –methoden verwendet.
  • Es wird als Ausgangsbasis für pädagogische Planungen genutzt.
  • Kinder und Familien sind an den Portfolioarbeiten beteiligt.
  • Das Portfolio gehört den Kindern.
  • Portfolios dienen zur Präsentation bei Dritten, z.B. der Vorstellung des Kindes in der Grundschule
  • Es ist jederzeit für Kinder und Familien zugänglich.
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Wofür ist ein Portfolio im Kindergarten geeignet?

Einrichtungen, die eine effiziente Erziehungs- und Bildungsarbeit leisten wollen, sind darauf angewiesen, für die Planung des Erziehungs- und Bildungsprozesses Informationen zu sammeln, sie auszuwerten und in ein adäquates Angebot umzusetzen.

Die Dokumentation dient als:

  • Darstellung der Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder
  • Grundlage für die Planung und Umsetzung einer kindorientierten Pädagogik
  • Unterstützung für Entwicklungsgespräche und Erziehungspartnerschaften
  • Hilfe für Reflexionsprozesse von Fachkräften
  • Grundlage für Selbstbildungsprozesse sowie Entwicklung von Lernzielen, -strategien und –themen von Kindern
  • Material für die Begleitung der Bildungsbiografie eines Kindes

Im Kindergarten schreibt ein Kind in ein Portfolio

Vielfältige Inhalte in einem Portfolio im Kindergarten

Das Portfolio im Kindergarten oder anderen sozialen Einrichtungen setzt sich meist aus vier Portfolioarten zusammen: Entwicklungsportfolio, Kompetenzportfolio, Familienportfolio und Vorstellungsportfolio. Alle vier Arten haben andere Funktionen und werden jeweils in einem separaten Ordner bzw. einer separaten Mappe geführt.

Entwicklungsportfolio

Pädagogische Fachkräfte im Kindergarten oder der Kinderkrippe dokumentieren alle relevanten Informationen über das Kind. Ein wesentlicher Teil sind die eigenen Beobachtungen und Erfahrungen mit dem Kind. Weitere Bausteine sind Informationen von externen Kooperationspartnern wie zum Beispiel Therapeuten und Logopäden. Es dient als Gedächtnisstütze und Planungshilfe.

Kompetenzportfolio

Kinder dokumentieren mit Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte ihre Entwicklung. Somit wird das Kompetenzportfolio zum Lerntagebuch des Kindes.

Familienportfolio

Eltern dokumentieren, mit was sich das Kind außerhalb der Einrichtung beschäftigt. Pädagogische Fachkräfte, die im Rahmen von Erziehungspartnerschaften mit Eltern zusammenarbeiten wollen, nutzen Familienportfolios zur Unterstützung dieser Zusammenarbeit.

Vorstellungsportfolio

Aus diesen drei Portfolioformen kann ein Vorstellungsportfolio beispielsweise für die Schulanmeldung zusammengestellt werden. Die Auswahl muss so gestaltet sein, dass ein umfassendes Bild der Entwicklungsbereiche des Kindes vermittelt wird. Es wird immer aktuell für den jeweiligen Einsatz gemeinsam vom Kind, den Eltern und der Fachkraft erstellt.

Der Autor Fthenakis verwendet den Begriff „Entwicklungsportfolio“ für eine Sammlung von Dokumenten, die sowohl von Kindern, den Fachkräften im Kindergarten und auch von der Familie beigesteuert werden. Strukturierende Beobachtungen, Tests, Gesprächsnotizen, oder ähnliches werden gesondert aufbewahrt.

Das Pädagogische Portfolio

Das Pädagogische Portfolio im Kindergarten ist eine ausgewählte Sammlung, mit deren Hilfe die Fachkraft pädagogische Arbeit und pädagogisches Handeln reflektieren kann. Der Erzieher selbst legt das Portfolio an und nutzt es für die Gestaltung von Bildungsprozessen. So dient es auch der Qualitätssicherung und der Qualitätsverbesserung, indem dieses Instrument eine Weiterentwicklung bewirken kann: Bildungsziele werden umgesetzt und Kinder können in ihren Lern- und Entwicklungsprozessen unterstützt werden. Das pädagogische Portfolio ist besonders gut geeignet, die Fachkraft darin zu unterstützen, Kinder gemäß ihrer individuellen Bedürfnisse zu stärken und Bildungsaktivitäten gezielt einzusetzen. Außerdem kann es genutzt werden, um die eigene Rolle als pädagogische Fachkraft zu reflektieren.

Was gehört in ein Portfolio im Kindergarten?

Fachkräfte bedienen sich für Beobachtungen unterschiedlicher Methoden, die jeweils immer nur eine bestimmte Perspektive auf das Kind bieten. Ein Portfolio im Kindergarten vereinigen unterschiedliche Methoden und dokumentieren nicht nur die Fachkräfte, sondern alle am Erziehungs- und Bildungsprozess beteiligten Personen. Auf der Grundlage dieser vielfältigen Dokumente können pädagogische Angebote und Aktivitäten im Kindergarten geplant und umgesetzt werden.

Der methodischen Vielfalt von Dokumentation ist fast keine Grenze gesetzt. Was umsetzbar ist, kann prinzipiell auch in einem Portfolio angewendet werden, zum Beispiel schriftliche Aufzeichnungen, visuelle und audiovisuelle Elemente, Aufzeichnungen von Entwicklungsgesprächen im Kindergarten, Berichte aus der Familie, Fotos und Tonaufnahmen.

Ziele und Inhalte

Das übergreifende Ziel des Arbeitens mit dem Portfolio im Kindergarten ist die optimale Ausgestaltung von individuellen Erziehungs- und Bildungsprozessen im Kindergarten und den Prozess des selbstreflektierenden Lernens.

Dazu ist eine Dokumentation in den folgenden Bereichen bzw. zu folgenden Themenfeldern notwendig:

  • Entwicklung des Kindes
  • Lerninhalte, -strategien und –ziele
  • Interessen und Vorstellungen des Kindes
  • Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • Transitionsprozesse
  • Spielthemen und –partner und Materialnutzung
  • Kommunikation und Interaktion
  • Projekte, Aktivitäten und Angebote
  • Alltagsgeschehen und Routinen
  • Individuelle Förderung
  • Zusammenarbeit mit der Familie
  • Entwicklungsgespräche

Am besten das Portfolio im Kindergarten immer aktuell halten

Wöchentlich können sich der Erzieher mit den Kindern zusammensetzen um das Portfolio zu besprechen, zu aktualisieren und vor allem zu reflektieren. So kommen Pädagogen und Kinder in ein Gespräch und können sich über weitere Lernprozesse austauschen.

Das Aktualisieren und Reflektieren erfordert von den Fachkräften viel Disziplin und Zeitressourcen und auch einen geeigneten Raum im Kindergarten.

Bei durchschnittlich 20 Kindern pro Gruppe wäre der Zeitaufwand nur für die Portfolioarbeit circa 20 Stunden, rechnet man ungefähr eine Stunde pro Kind um eine qualitativ hochwertige Kommunikation zu erreichen. Dieser Zeitaufwand ist im Alltag kaum zu bewältigen, weswegen viele Kindergärten nur Teile der Portfolioarbeit umsetzen (können).

Lohnt sich der Aufwand für mein Kind?

Unserer Meinung nach ist ein Portfolio im Kindergarten ein tolles Instrument um Lernprozesse zu dokumentieren und diese gemeinsam mit dem Kind zu reflektieren und daran anzuknüpfen. Erzieher können ihre Bildungsangebote daran ausrichten und können sich ein sehr genaues Bild von dem jeweiligen Kind machen, was seine Stärken sind, aber auch wo noch Handlungsbedarf besteht.

Für Erzieher – Vorlagen für das Portfolio im Kindergarten

Ein Portfolio im Kindergarten oder der Kinderkrippe ist vielfältig und dementsprechend viele verschiedene Seiten und Themen hat es. Du kannst die Vorlagen selbst gestalten und anschließend kopieren oder kannst auf vorgestaltete Kopiervorlagen zurückgreifen. Wir haben dir zwei Bücher mit vielen hochwertigen Vorlagen herausgesucht, die du bei Amazon bestellen kannst.

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Bildquelle: CroMary|Shutterstock.com

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